Wenn aus Freude und Leidenschaft, ein Müssen und Stress wird! Oder 1 1/2 Jahre Auszeit, die so wichtig war!

Ich sitze an meinem Schreibtisch, das MacBook aufgeklappt und ich starre auf den Bildschirm. Den Arbeitsplatz hatte ich mir vor 3 Monaten gerade erst eingerichtet und dafür dieses Zimmer neu tapeziert und umgestaltet. Ich habe einen schicken, bequemen Stuhl mit einem rosa Kunstfell. An den Wänden hängen Buchstaben Boards auf die ich hochtragende Sprüche gesteckt habe, wie

Don’t stop until you’re proud!

oder

Tanz mal drüber nach!

Tanzen ist nicht das Problem, aber wie soll man mit etwas erst aufhören, wenn man stolz ist, wenn man es gar nicht erst schafft, damit anzufangen???

Ich dachte lange, das Problem läge darin, dass ich keinen festen Arbeitsplatz habe. Ich schrieb mal in der Küche an unserer Küchentheke bei einem guten Kaffee oder Abends auf der Couch oder meinem geliebten Ohrensessel, während der TV lief. Gerne auch mal auf dem Bett liegend oder auf der Terrasse im Garten. Heute weiss ich, dass das genau meine Orte zum Schreiben sind. Ich will mich nicht auf einen festen Platz festlegen und kann das auch gar nicht. Das bin einfach nicht ich.

…IST ES DAS, WAS MIR FEHLTE?

Dieser Prozess der Erkenntnis hat lange gedauert und nicht selten wollte ich alles löschen und aufgeben. Einfach die ESC Taste drücken, mir einen Job irgendwo suchen, so von 8.00-16.00Uhr … vielleicht im Büro oder in einem kleinen Laden hier im Stadtteil. Festes Einkommen, feste Abläufe … ist es das, was mir fehlte?

Ich muss dazu sagen, dass ich gerne zu Hause bin und mir die freie Zeiteinteilung wirklich gut gefällt. Ich kann mich jederzeit um meinen Männer kümmern, kann auch mal erst Abends bei einem Glas Wein etwas fertig machen, wozu ich den Tag über nicht kam. Diese Flexibilität ist genau das, was unsere Familie immer brauchte und schätzte. Immerhin ist es auch nicht immer einfach, 4 Männer, Haushalt, Arbeit und Co unter einen Hut zu bringen. Nicht zu vergessen, unsere Special Effects, Autismus und hyperkinetische Stoffwechselerkrankung des Gehirns genannt, welche unser Leben von jetzt auf gleich mal gerne, kräftig durcheinander würfeln. Ich brauche Flexibilität und ich will sie auch! Aber ich will mich auch nicht aufgeben. *Nur* Hausfrau, Mama und Ehefrau sein, das ist nicht meins. Ich brauche eine Aufgabe, etwas, wofür ich brenne, was mich mit Stolz, Freude und Ehrgeiz erfüllt.

Ich hatte damals, vor nunmehr über 5 Jahren, mit dem Bloggen angefangen, weil mir daheim die Decke auf den Kopf fiel. Uns und unserem Junior war im Herbst 2013 der Schulvertrag in der Waldorfschule gekündigt worden. Er war damals in der 3.Klasse, kein Kind in selbiger konnte bis dahin auch nur einen ganzen Satz lesen oder schreiben und unser Sohn litt. Wir führten Gespräche, bezogen unseren Kinderarzt mit ein, suchten nach einer Lösung. Die Schule hatte einen anderen Plan, statt ihn wie vorgeschlagen in die 4.Klasse hochzustufen, setzten sie ihn in die 2.Klasse zurück. 3 Wochen später hielten wir die Kündigung des Schulvertrages in der Hand. Da standen wir also, mit einem Drittklässler, der weder Schreiben noch Lesen, geschweige grossartig rechnen konnte. Das Schulamt hatte lediglich den Vorschlag, wir sollten unser Kind ins Heim geben, dann könne er in eine Heimschule gehen, Regelschule ging nicht, denn für die 1. zu alt, für die 3. Klasse zu wenig *Bildung*. Am Ende war klar, ich musste meinen Job aufgeben und mich selbst darum kümmern, dass dieses Kind wieder zur Schule konnte. Ich erzähle euch darüber später mal genauer, wie unser Weg dann weiter ging, das würde hier den Rahmen sprengen.

Jedenfalls war es im April 2014 dann endlich soweit, arbeiten war dennoch nicht möglich, denn ich musste auf Abruf bereit stehen. Auf der Suche nach Beschäftigung, kam ich zum ersten Mal mit dem Bloggen in Berührung. Ich habe schon immer gerne geschrieben und so fand ich die Idee witzig und los ging es.

Ich startete mit 3 Blogs, Testen, Reisen und Food. Ziemlich schnell entwickelte sich alles ziemlich gut und ich tauchte in die sogenannte Blogosphäre ein. Neben vielen tollen Kontakten, musste ich leider auch mindestens genauso viele schlechte Erfahrungen sammeln. Mit den ganz offenen Neidern und Miesmachern kam ich gut klar, Verschwörungstheoretiker amüsieren mich. Davon hatte ich in meinem Leben schon genügend … schlimm waren die jenigen, die mir Interesse und Freundschaft vorspielten. Ich bin ein offener Mensch aber ich habe nur sehr sehr wenige Freunde, die es auch über Jahrzehnte hinweg schafften, mit mir befreundet zu sein. Sobald mir jemand zu nahe kommt, bin ich im Regelfall weg. Sobald mir jemand sagt, wir seien Seelenverwandt … wusch … Staubwolke … 🙂

Leider ergeben viele Einzelteile im Leben fast immer erst im Nachhinein ein ganzes, klares Bild aber ich habe gelernt, auf meinen Bauch zu hören. Dieser ist definitiv schlauer, als ich ich und verfügt wohl über eine besser Menschenkenntnis. Nie werde ich vergessen, als hier eine Bloggerin samt unerzogenem Nachwuchs im Kindergartenalter aufschlug. Sie hatte Geschenke im Gepäck, wir unterhielten uns nett während ihre Kinder unseren Fussboden mit Wachsmalstiften verschönern wollten. Es passte weder vom Alter, noch von der Lebenseinstellung, geschweige vom Blogthema zwischen uns. Dennoch war sie irgendwie nett und dass Kinder manchmal wahre Monster sein können, das wusste ich aus eigener Erfahrung 😉 … das sagte mein Kopf … mein Bauch schrie mich hingegen an

Bist du irre geworden? Schmeiss die Tussi, samt ihrem randalierenden Nachwuchs raus! JETZT!! SOFOOOORT!!!

Ich habe sie nicht rausgeschmissen. Ich lief ihren Kids hinterher, um schlimmere Schäden zu vermeiden und am Ende fand ich mich in meiner Wohnung wieder, die aussah, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Unser Junior stand nur kopfschüttelnd im Flur und meinte *WAS WAR DAS DENN??*

2 Tage später schloss sich der Kreis! Die Gute hatte ein Treffen organisiert, um herauszufinden, welche Kooperationspartner wir bei unserem anstehenden Bloggertreffen im Boot hatten. Wie verrückt ist das bitte? Man ist Teilnehmer an einem anderen Bloggerevent und verabredet sich mit der Veranstalterin der vermeintlichen Konkurrenz, um Sponsoren abzuchecken und abzugreifen??

Mein Bauch lachte höhnisch

Siehste, du wolltest ja nicht auf mich hören!

Solche Geschichten habe ich zuhauf auf Lager. Von Bloggern, die unzählige Firmen anschrieben, um diese vor uns zu warnen und dann sauer waren, dass sich die meisten davon hinter uns stellten, von Menschen, die Kontakte abgriffen und sich dann nie wieder meldeten. Da kam nichtmal ein Danke!

Was hilft mir? Die Zeit … das Universum sorgt immer … okay fast immer, für ausgleichende Gerechtigkeit. Man muss nur lange genug am Ufer sitzen, irgendwann treiben sie alle vorbei und dann ist deine Zeit gekommen. Denn nun darfst du dein Glas erheben, dein schönstes Lächeln aufsetzen und ihnen beim Vorbeitreiben zuwinken.

In den letzten Jahren besuchte ich auch einige Events und Konferenzen und Anfangs fand ich das alles total spannend und manchmal auch inspirierend. Leider nur oberflächlich. Denn irgendwann wurde mir bewusst, dass es genau das ist: oberflächlich! Zu oft ging es nur um Erfolg! Erfolg, und was man alles tun muss! Muss, muss, muss … du musst dich mit erfolgreichen Leuten anfreunden! Du musst stundenlang nach Google günstigen Schlagworten suchen! Du musst das so machen, und dies so und um Himmels Willen, vergeude keine Zeit mit Menschen, die dich nicht weiter bringen!

ICH MUSS ÜBERHAUPT NICHTS!

Auf einem Koch-Event, auf welchem ich die einzige nicht komplett Food-Bloggerin war, schlug mir eisige Kälte entgegen, nachdem ich mich und den Blog vorgestellt hatte. Was hatte ich, als *Aussenstehende* bitte auf einem Event für Food-Blogger zu suchen? Ich muss auch nicht erwähnen, dass auch eine damals vermeintliche *Freundin* sauer auf den Veranstalter war. Passte sie ihrer Meinung nach doch viel besser auf dieses Event, als ich! Warum kann man sich nicht einfach mal für jemanden freuen oder über den eigenen Tellerrand blicken? Dahinter findet sich vielleicht etwas ganz tolles und neues, was einen selbst weiter bringt im eigenen Denken und Handeln.

Ich muss überhaupt nichts! Ich bin keine große Blog kommentier-Tante, ich erwarte keinen Gegenkommentar, wenn ich mal jemanden verlinke oder einen Kommentar da lasse, dann weil ich das will! Nicht weil ich es tun sollte! Wenn ich keine Lust habe, meine Fotos zu beschriften, dann ist das so! Ich muss mir nur treu bleiben und Spass an dem haben, was ich tue!

Im Endeffekt wurde der Blog damals zu schnell, zu gross. Ich verlor mich und den Sinn aus dem Auge und schrieb nicht mehr über Dinge, Ereignisse oder Produkte, die mich begeistern, sondern ging Kompromisse ein. Am Ende wurde die Liste mit den MUST DOs zu lang. Ich musste mich selbst zu oft zwingen, Abends noch den Laptop anzuwerfen, statt mit meinem Szenemensch auf der Couch zu chillen oder im Biergarten um die Ecke, den Abend bei einem guten Glas Wein zu geniessen. Kann man mal machen, ganz klar aber dieses *Ich kann nicht, ich muss noch…* wurde zum Alltag. Irgendwann ging nichts mehr.

Zwischendurch dachte ich immer mal, es ginge wieder, um dann kläglich bereits an der Bilderauswahl für einen Blogbeitrag zu scheitern.

Manchmal muss man etwas erst komplett einreissen und umwerfen, bevor man es neu aufbauen kann!

Und genau das habe ich in den vergangenen 18 Monaten getan. Ich habe umstrukturiert, zu mir selbst gefunden, meinen 40. Geburtstag gefeiert und viele intensive und wichtige Gespräche mit tollen Mädels geführt. Besonders geholfen hat mir meine liebste Tanja Braun. Ursprünglich mal Kooperationspartnerin mit ihrem wundervollen Schmuck, war sie Anfang des Jahres mein Mental-Coach und ist inzwischen mein lieb gewonnenes Pasta Date. Danke für Alles du Liebste!

Ich bin endlich angekommen und erwachsen geworden. Ich will schreiben! Ich will fotografieren! Ich will mich nicht dafür rechtfertigen, wenn ich mit etwas Erfolg habe und genauso wenig, will ich mich schämen, wenn etwas nicht klappt. So etwas gehört zum Leben dazu. Aus Fehlern kann man lernen.

Übrigens habe ich meinen Arbeitsplatz wieder entfernt. Der Schreibtisch steht nun bei unserem Zweitältesten Sohn im Zimmer und aus dem ungeliebten Schreibplatz mit Tür im Nacken, wurde ein schöner Raum. An seiner Stelle steht nun ein grosser, heller Vitrinenschrank vom Schweden und ich bin so happy mit der Umgestaltung dieses Raumes.

Meine heutigen Gedankenergüsse habe ich auf der Couch getippt, auf dem Couchtisch steht ein Glas Wasser und im TV läuft gerade Shopping Queen. So will ich schreiben, so will ich arbeiten, genau das bin ich!

Danke fürs Lesen und fühlt euch gedrückt! Und niemals vergessen:

Sei immer du selbst und tu, was dich glücklich macht!

Ein weiteres Übrigens: Frini und dieser Blog hier werden ihrer Linie mehr oder minder treu bleiben. Mein 2. Blog-Projekt mit Food, DIY, Reisen und regionalen Themen, zukünftig aber auch viel privaten Beiträgen zu allen Themen, die mir so in der Sinn kommen, heisst Quadratverliebt und den findet ihr HIER!!! Klickt euch gern mal rein, ich freu mich auf euch 🙂

2 comments

  1. Sandra says:

    Huhu Frini,

    Mensch ist das toll wieder von dir zu lesen! Und ich bin froh, dass ich beim regelmäßigen “aufräumen” meiner Leseliste deinen Blog nie gelöscht habe.

    Deine Geschichte klingt echt unschön an manchen Stellen und ich verstehe total, dass du dir diese Auszeit genommen hast.

    Ich wünsche dir für diesen “Neustart” alles Gute und viel Spaß! Mach, wohinter du stehst und worauf du Lust hast. Und gönne dir weiterhin den Wein im Biergarten ums Eck. 😀

    Liebe Grüße,
    Sandra

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